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Von Waschbären, die Schwanenbabies adoptieren, über depressive asiatische Marienkäfer bis zu Grauhörnchen, die sich in den Arbeitsmarkt integrieren: Mittels Film- und Fototechniken wurde in einem dreitätigen Workshop im Rahmen der Projekttage Anfang April das ambivalente Thema, wie man mit bioinvasiven Spezies umgehen sollte, auf kreative Weise erarbeitet. Unter dem Workshoptitel „How to ethically kill a turtle“ widmeten sich Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Alexandra Fruhstorfer, einer Industrial Designerin, dem Thema der heimischen Biodiversität und deren Bedrohung durch eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten.

Konkret beschäftigten sie sich mit der Fragestellung, ob es ethisch vertretbar sei, bioinvasive Spezies zu töten und auf sinnvolle Art und Weise „zu verwerten“, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Als Anregung diente Alexandra Fruhstorfers eigenes Projekt, in dem eine Schmuckschildkröte (Feind der europäischen Sumpfschildkröte), ein Waschbär (Feind von Bodenbrütern) und der japanische Staudenknöterich (Bedrohung für seltene Pflanzen und Tierarten wie den Osterluzeifalter) als Lebensmittel Verwendung fanden und als Menüfolge serviert wurden.

Dank eines Canon-Sponsorings konnte in Kleingruppen mit Leihkameras gearbeitet werden. Entstanden sind an nur drei Vormittagen spannende und einfallsreiche Projekte, darunter Stop-Motion-Filme, Kurzfilme und Fotoprojekte. Darin trugen beispielsweise ein nordamerikanisches Grauhörnchen und ein österreichisches Eichhörnchen aus Plastilin einen Boxkampf um ihre Nahrung aus, ein asiatischer Marienkäfer kam selbst zu der Einsicht, dass Österreich nicht seine Heimat war und er den Tod des heimischen Siebenpunkt-Marienkäfers verursachte, und Grauhörnchen fanden Verwendung als Arbeitskräfte in einer Schokoladenfabrik und in Nagelsalons.

Getötet werden mussten die bioinvasiven Arten also nicht – es wurden zahlreiche andere Szenarien diskutiert. Und auch darüber hinaus zeigten die Schülerinnen und Schüler einen einfühlsamen und reflektierten Umgang mit der Thematik. Die Rolle des Menschen als Verursacher dieser Problematik (durch das Einführen nicht-heimischer Spezies im Rahmen der Globalisierung) wurde viel diskutiert und auch bei der Arbeit an den Projekten nicht außer Acht gelassen. Dabei wurden vor allem auch folgenden Fragen betont: Was sind die Opfer, die wir für unsere ökologischen Fehltritte nun leisten müssen? Und müssen wir uns hier moralisch auf eine Seite stellen und die Konsequenzen ziehen oder finden wir andere Lösungen, eine ökologische Balance zu unterstützen? Von drei spannenden Workshoptagen bleiben somit nicht nur einfallsreiche Projektergebnisse, sondern auch Fragestellungen, die hoffentlich noch lange zum Nachdenken anregen.