Schlagwörter

, ,

Von Franziska Vogt

Ausgehend von der Überschrift und einem bekannten Zitat von Simone de Beauvoir möchte ich mich im folgenden Kommentar mit der Frage auseinandersetzen, wie wir zu Mädchen beziehungsweise Frauen “gemacht” werden. Einleiten möchte ich diesen Kommentar mit einer Anekdote aus dem Leben meiner Schwester.

Als meine Schwester kleiner war, sie muss so um die drei Jahre alt gewesen sein, kletterte sie gern auf Bäume. Etwas vollkommen Normales für ein Kind. Trotzdem hörte ich damals wie unsere Leihomi, eine in die Jahre gekommene typische Wienerin, zu meiner Mutter sagte: „An dem Kind ist ein Junge verloren gegangen.“ Schon damals wunderte ich mich über den absurden Ausdruck „verloren gegangen“, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Viel eher geht es darum, dass meine Schwester schon im Alter von drei Jahren in das typische Frauenbild unserer Zeit gezwängt wurde. Anderen ging es nicht besser, auch ich wollte schon bald nicht mehr in der Jungenabteilung von H&M shoppen, obwohl es mir immer vor den Aufdrucken und grell pinken Farben der Mädchenabteilung gegraust hatte.

Ein Zitat der Feministin und französischen Schriftstellerinnen-Legende Simone de Beauvoir bringt diesen Umstand sehr gut zur Geltung. Es lautet: „On ne nait pas femme, on le devient.“ Übersetzt heißt es so viel wie: „Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“ Einmal ganz von den biologischen Unterschieden abgesehen, lässt sich deutlich eben auch an meinen oben genannten Beispielen erkennen, wie sehr dieser Satz auch noch heute zutrifft. Die Frage ist jedoch, ob wir von unserem Umfeld oder vielmehr von uns selbst zur Frau geformt werden. Wahrscheinlich beides. Wir denken durch unser Umfeld oder unser biologisches “Mitbringsel” keine freie Wahl zu haben und verwandeln uns so zur Frau. Aber wer bestimmt, was oder wie eine Frau zu sein hat? Wir! Die Menschheit! Und so sieht man den immer währenden Teufelskreis.

Eine andere Frage ist: Was ist man davor, wenn keine Frau? Ein Kind? Aber wieso bürdet man Kindern dann schon eine der größten Entscheidungen auf, die Entscheidung der Geschlechtszugehörigkeit? Unser Zeitalter behauptet fortgeschrittener zu sein als die vorhergehenden, aber wieso zwängen wir dann unsere Kinder schon vom ersten Tag ihrer Geburt an in die Klischees, die vor hundert Jahren gegolten haben?

Vielleicht schaffen wir es irgendwann, den Spruch von Simone de Beauvoir wahr werden zu lassen. Jedoch sollten sich Frauen dann nicht aufgrund von sozialem Druck zu ihrem Geschlecht entwickeln, sondern aus freien Stücken!