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Reflexion von Johanna Hartner

(anlässlich der Ö1-Sendung zu Queer Theory)

Durch mediale Großevents, wie die Öffnung der Ehe in den USA und Irland, die Transformation der Caitlyn Jenner oder Conchita Wursts Erfolg beim Songcontest, besteht momentan relativ großes Interesse an der LGBTQ-Gemeinschaft (die Homo-, Bi- und Transsexuelle, sowie alle anderen Sexualitäten, die von der „Norm“ abweichen, vertritt) und deren soziale und rechtliche Stellung in der Gesellschaft. Anna Babka beschäftigte sich in einer Ö1-Webradiosendung mit ersterem, indem sie näher auf die Queer Theorie (die gesellschaftliche Normen analysiert) einging. Ich halte das für wichtig, da die Meisten nur auf diesen sozialen Aspekt direkten Einfluss haben, beispielsweise mit ihrer Sprache.

„Sprache hat Anteil an der Konstruktion von Wirklichkeit.“, sagte Babka in der Sendung.

Und natürlich ist klar, dass sprachliche Inhalte unsere Realität bilden, und da diese zu einem Großteil mündlich übermittelt werden, ist es logisch auch den Part mit dem „Anteil“ in die Aussage aufzunehmen. Wenn man das Ziel verfolgt, Vorurteile loszuwerden und eine tolerante, vielfältige Gesellschaft zu schaffen, wird es von Nachteil sein, menschenverachtende Inhalte zu verbreiten.

Eine „falsche“ Wirklichkeit lässt sich aber auch auf sehr subtile Art und Weise konstruieren, trotz respektvollem Inhalt, zum Beispiel mithilfe von Grammatik: „Er hat den Songcontest für Österreich gewonnen.“ Wieso sollte man für ein Szenario, in dem kein Mann vorkommt, ein männliches Pronomen verwenden? Es geht hierbei um einen Menschen, der sich offensichtlich als Frau präsentiert, demnach gibt es keine andere Option, als sich auf jenen mit „sie“ zu beziehen. Jedem und jeder steht die freie Identitätswahl zu, unabhängig von Genitalien, es steht hingegen niemandem zu, die Wahl Anderer in Frage zu stellen, oder schlichtweg zu ignorieren, indem man falsche Pronomen verwendet. Denn das kann Schaden anrichten, ob gewollt oder nicht. Eine Wirklichkeit entsteht, in der einem die Kontrolle über sich selbst, bis zu einem bestimmten Grad, abgesprochen wird.

Mir ist klar, dass der Grund für falsche Bezeichnungen nicht unbedingt Ignoranz sein muss, sondern wahrscheinlich oft in der Unwissenheit liegt. Woher soll man auch wissen, dass die „typisch weibliche“ neue Bekannte sich selbst als geschlechtsneutral sieht? Alles, was es braucht, ist eine kurze Frage/Korrektur, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Es sollte keine Unmöglichkeit sein, diesem Tabuthema mit ein bisschen Kommunikation untereinander entgegenzuwirken. Denn wie Anna Babka sagt, ist Sprache wichtig für die Gestaltung unserer Wirklichkeit. Und um diese zu einer rücksichtsvollen, aufgeklärten Gesellschaft zu machen, muss man Sprache und Kommunikation richtig einsetzen.