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Wir leben heute in einer globalisierten Welt und vermutlich waren zu keiner Zeit so viele Menschen unterwegs, auf der Flucht vor Kriegen, Umweltkatastrophen und auch Hunger. Sie versuchen ihr Glück anderswo zu finden oder zumindest ihr Überleben zu sichern. In Wien leben Menschen aus aller Welt und sie bringen ihre unterschiedlichen kulturellen Werte, Religionen und Lebensentwürfe mit. Das führt leider nicht selten zu Angst vor dem Fremden, Vorurteilen und Konflikten. Damit ein Zusammenleben funktionieren kann, ist es daher wichtig, interkulturelle Kompetenz zu entwickeln. Zur interkulturellen Kompetenz gehört, dass wir Wissen über fremde Kulturen sammeln, Einfühlungsvermögen entwickeln, Diskriminierung und Ausgrenzung vermeiden, Vorurteile abbauen und lernen, dass unsere Weltsicht nicht allgemein gültig ist, sondern verschiedene Kulturkreise unterschiedliche Werte haben. Um Verständnis zu entwickeln, Diskriminierung und Ausgrenzung zu vermeiden, hilft es oft, einfach die Perspektive zu wechseln, sich vorzustellen: Wie würde ich denken oder handeln, wenn ich so aufgewachsen wäre, Ähnliches erlebt hätte oder in dieser oder jener Situation wäre?

In einer interkulturellen Gesellschaft ist es wichtig, sensibel und offen miteinander umzugehen, die eigenen Werte zu kennen, Gemeinsamkeiten herauszufinden und aus den Unterschieden zu lernen. Dennoch kann es immer wieder zu Missverständnissen kommen, weil wir Rituale oder Normen nicht kennen und Menschen oft unbewusst vor den Kopf stoßen.

Ich möchte hier ein kurzes Beispiel erzählen:

Eine Chinesin ist bei einer Deutschen zum Tee eingeladen. Die Deutsche bietet ihrem Gast einen Tee an, die Chinesin lehnt dankend ab. Auch ein anderes Getränk möchte sie nicht. Daraufhin ist die Deutsche irritiert: Einerseits hat die Chinesin die Einladung angenommen, den Tee lehnt sie aber ab. Es entsteht eine peinliche Situation. Während die Deutsche es als zurückweisend empfindet, dass ihr Gast nichts annehmen möchte, aber nicht auf die Idee kommen würde, ihr weiter etwas aufzudrängen, fragt sich die Chinesin, ob und wann ihr ihre unhöfliche Gastgeberin vielleicht doch etwas servieren würde. In ihrer Kultur gilt es nämlich als sehr unhöflich, nicht mindestens 2 Mal abzulehnen. Weitere Gründe für Missverständnisse liegen oft in der Sprache, weil wir auch mit Wörtern, die wir kennen, vielleicht ganz andere Bilder verbinden, oder auch mit ganz anderen Worten dasselbe ausdrücken.

Wichtig scheint mir, dass wir uns, egal woher jemand kommt, als Menschen begegnen und das Gemeinsame suchen, aber auch, dass wir dort, wo es notwendig ist, unsere Werte schützen.