Schlagwörter

,

Offener Brief von Elena Grossmann vom 10.11.2014 an die deutsche Sprache

Betreff: Tun wir machen

Werte Frau Dr. Deutsch,

die Diskussionen über sprachliche Gleichbehandlung veranlassen mich, so wichtig ich dieses Thema finde, zu einem kritischen Hinterfragen gänzlich anderer sprachlicher Phänomene, die sich in letzter Zeit im deutschen Sprachraum breit zu machen scheinen und von denen viel zu selten die Rede ist.

Meiner Meinung nach ist die Tatsache, dass Sie sich verbiegen lassen, um den deutlich niedrigeren sprachlichen Anforderungen der modernen Gesellschaft zu entsprechen, einer ganzen Generation gegenüber unverantwortlich und nicht mehr länger unkommentiert hinzunehmen.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Weiterentwicklung der Sprache etwas Natürliches und vor allem Unaufhaltsames ist. Wörter wie „cool“, „Handy“ der „downloaden“, um nur ein paar Beispiel anzuführen, die sich im Laufe der Zeit vom englischen in den deutschen Sprachraum übertragen haben, sind nicht nur Beweise für die begrenzte, aber doch vorhandene Flexibilität einer Sprache, sondern auch die Reflexion unseres vom Internet geprägten Zeitalters. Sie fungieren meiner Ansicht nach also als völlig legitimes Zeitdokument.

Trotzdem stelle ich mir die Frage, wann die Grenze zwischen sprachlicher (Weiter-)entwicklung und sprachlicher Verstümmelung gezogen werden kann.

Meiner Meinung nach passiert dies dann, wenn der Dativ plötzlich als Genitiv verwendet wird (dem Hund seine Leine) oder „tun“ das einzig konjugierte Verb ist und alle anderen ein tristes Dasein als ewige Infinitive fristen müssen (Wir tun staubsaugen).

Ich bin mir selbstverständlich darüber im Klaren, dass derartige, seit Jahren in unseren Köpfen verankerten sprachlichen Missstände nicht von heute auf morgen ausgebessert, aber sehr wohl reduziert werden können. Kinder, die schon von klein auf „fernsehen tun“ und nie verbessert werden, „tun fernsehen“ als Jugendliche und manchmal auch als Erwachsene.

Ich appelliere in meinem Schreiben nicht nur an Sie, verehrte deutsche Sprache, sondern auch an alle Eltern und Großeltern dieses Landes, die dem „schlampigen“ Sprachgebrauch ihrer Kinder ein Ende setzen wollen.

Seien Sie Vorbilder und vor allem: Lassen Sie sich nicht vom allgegenwärtigen Gruppenzwang unterkriegen.

 In Hoffnung auf gute, grammatikalisch richtige Zusammenarbeit in der Zukunft,

Elena Grossmann